Online-Meetings mit dem Mittler

Teil 6: Baustein 3 (Teil 1) – Digitale Nähe in Zeiten sozialer Distanz

19. März 2021 | Ein Beitrag von Michaela Köstner (TalentRaum GmbH)

Eine positive Beziehung und eine konstruktive, emotionale Bindung entsteht am schnellsten und am leichtesten durch ein ganzheitliches Kommunikationserlebnis – also eines, das alle Sinneskanäle ansteuert. Dazu bietet die physische Begegnung die besten Voraussetzungen: Sie löst bei Menschen physiologische Reaktionen aus (durch Berührung, räumliche Nähe etc.) – allem voran die Ausschüttung des sogenannten „Bindungshormons“ Oxytocin, welches ein Gefühl von sozialer Bindung, Geborgenheit und Zugehörigkeit bewirkt.

Weil dieser physische Aspekt bei Online-Treffen fehlt, muss man seine persönliche Wirkung umso bewusster gestalten, um sich auch emotional näher zu kommen.

Dazu gibt es wichtige Techniken und wirkungsvolle Elemente, um den Mangel an Physis auszugleichen und dennoch die so wichtige Beziehungsebene zu schaffen: Man muss „mehr tun“ und „anderes tun“ und alle gegebenen Möglichkeiten der verbalen und nonverbalen Kommunikation nutzen.

Einige Tricks und Möglichkeiten zeigen wir Ihnen hier auf:

7 Wege, um die Beziehungsebene in virtuellen Meetings herzustellen und zu stärken

1. Beziehung beginnt schon vor dem Treffen

Der Grundstein für eine positive Beziehung wird bereits bei der Einladung gelegt:
Der sachliche Einladungslink muss durch persönliche und individuelle Worte ergänzt werden. Durch die richtige Tonalität und ansprechende Formulierungen wird die eigene positive Einstellung gespiegelt. Die Einladung muss „Lust machen auf mehr“.
Um eventuelle Zweifel bezüglich der Technik und des Procederes auszuräumen, kann auch Unterstützung oder ein Probelauf (v.a. bei mehreren Teilnehmern) angeboten werden.
So zeigt man einem (potentiellen) Kunden von Beginn an, dass professionelle Zusammenarbeit und gegenseitiger Support für uns keinesfalls leere Worte sind.

2. Für das eigene Gefühl: Emotionaler Check-In
Für die eigene Sicherheit und um in der richtigen Atmosphäre zu starten, empfiehlt sich eine bewusste Einstimmung: Damit man „gute Laune“ und positive Energie ausstrahlen kann. Denn der erste Eindruck zählt online mindestens ebenso wie im persönlichen Treffen!
Ein solcher „Check-In“ beinhaltet Aspekte wie:

  • Letzter Technik-Check (Internetverbindung, Ton, Beleuchtung / Kamera, Stromversorgung etc.)
  • Letzter prüfender Blick auf das Setting (Bildausschnitt, Hintergrund, alles zur Hand, was man braucht)
  • Letzter Selbst-Check: Styling (Kleidung/Brille etc. sitzt), die Stimme ist locker etc.
  • Letzte Sicherstellung, dass man ungestört ist und bleibt (Tür zu, „Bitte nicht stören Schild“ etc.)

Dann noch einmal tief durchatmen und mit einem echten Lächeln ins Gespräch!

3. Wie man sich zeigt: Botschaften durch Setting und Styling
Bevor wir Besuch empfangen räumen wir auf, lüften nochmals durch und bereiten den Empfang des Gastes vor – all dies gilt in gleichem Maße für ein Online-Treffen:
Der virtuelle Raum muss ebenso aufmerksam und bewusst „willkommenheißend“ gestaltet werden wie bei einem persönlichen Treffen.
Dies umfasst alle Elemente des „Settings“ – was unser Gegenüber sieht:

  • Sich mit der Beleuchtung ins beste Licht setzen (keine Lichtquelle im Rücken, keine Blendeffekte, im Idealfall Tageslicht oder zumindest „warmes Licht“ etc.)
  • Den Bildausschnitt an das vertraute „Vis à vis Gespräch“ angleichen: Eine Handbreit Abstand über dem Kopf bis unter die Brust – so, als würde man sich am Tisch gegenübersitzen.
  • Den Hintergrund bewusst gestalten: Wie soll Ihr Gesprächspartner Sie wahrnehmen? Aufgeräumt und strukturiert oder kreativ chaotisch? Gibt es private Einblicke, z.B. durch ein Familienbild etc.?
  • Kleider machen Leute – das gilt auch Online. Generell gilt die Faustregel:
    Gleicher Dresscode wie bei einem persönlichen Treffen oder „eine Stufe darunter“. NoGo ist auch in Zeiten von Homeoffice offensichtliche Freizeit-Kleidung. Ihr Ansprechpartner sollte sehen, dass Ihnen der Termin wichtig ist.

4. Persönliche Wirkung: Nähe und Beziehung durch nonverbale Signale
Unsere persönliche Wirkung ist das stärkste Element – auch in einem Online Termin. Alles, was Ihr Gesprächspartner von Ihnen sieht, „spricht“:

  • Die Haltung: „Lümmeln oder fläzen“ ist ein NoGo. Eine aufrechte (Sitz-)Haltung signalisiert Aufmerksamkeit und Konzentration.
  • (Regelmäßiger) Blickkontakt: Tipp: Positionieren Sie das Fenster mit dem Bild des anderen in der Nähe der Kamera und / oder befestigen Sie dort ein Post-It mit einem Smiley, so dass Ihr Blick immer wieder dorthin gelenkt wird.
  • Lebendige Gestik und Mimik. Aber Achtung: durch den reduzierten Horizont erscheint am Bildschirm alles größer. Also alle Bewegungen ein wenig sparsamer, kleiner und nicht hektisch.
  • Stimme bewusst einsetzen: Vor allem moduliert und in der richtigen Emotion. Tipp: Nehmen Sie sich selbst einmal auf, auch wenn es schwerfällt.
  • Sprache: Räumen Sie die Sprache auf: kurze, aussagekräftige Sätze und freies Sprechen. Tipp: Achten Sie auf positive Wortwahl

So ist zum Beispiel „Vergessen Sie nicht den nächsten Teil unserer Serie zu lesen“ eine Negativ-Formulierung, die unser Gehirn kontraproduktiv verarbeitet. Viel besser: Lesen Sie unbedingt weiter und erfahren Sie im nächsten Teil drei weitere Wege, um soziale Nähe in digitalen Terminen herzustellen. 🙂

So geht es mit unserer Artikelserie „Online-Meetings mit dem Mittler“ weiter:

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